Physik im Alltag:

Die "Sommerzeit"

Ein moderner Schildbürgerstreich

Nach dem Wechsel von Sommer- zu Winterzeit steigt statistisch gesehen die Zahl der verunglückten Fußgänger um fast 30 Prozent an. Das geht aus einer britischen Studie hervor. Ebenfalls interessant: Bei der Zeitumstellung im Frühjahr steigt die Zahl der verunglückten Motorradfahrer signifikant an.

(Quelle: SWR-Rheinland-Pfalz)

 

Nobel Peace Prize

Medizin-Nobelpreis 2017 für Erforschung der biologischen Uhr

Sogar das Nobelpreiskomitee setzt ein Zeichen und würdigt 2017 Chonobiologen

Der Medizin-Nobelpreis 2017 geht an drei US-Amerikaner: Der Genetiker Jeffrey C. Hall (Brandeis University in Waltham, Massachusetts), der Molekular- und Chronobiologe Michael Rosbash (ebenfalls Brandeis University) und der Chronobiologe Michael W. Young (Rockefeller University in New York City) teilen sich die Auszeichnung für ihre Erforschung der circadianen Rhythmik.

(Weiterlesen unter: derStandard.at)

Die Sommerzeit aus Sicht der chronobiologischen Medizin

(Prof. Dr. Till Roenneberg - LMU München, 23. März 2018)

>Die Kosten, die sich aus diesem Leben gegen die innere Uhr und aus Schlafproblemen ergeben, werden auf fast 60 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt – fast doppelt so groß wie unser derzeitiger Verteidigungsetat.< 

(→ www.medtipp.com)


Von Prof. Dr. Till Roenneberg (LMU München, Institut f. Med. Psychologie)

Die Zeit, so wie es die Diktion vorgaukelt, können wir gar nicht umstellen, da sie allein von der Erdumdrehung, vom Sonnenstand definiert wird.

Die Einführung der sogenannten Sommerzeit ist daher nichts anderes als ein öffentlicher Beschluss, dass alle Bürger für sieben Monate eine Stunde früher zur Arbeit oder zur Schule gehen müssen. Einen solchen Beschluss würden die wenigsten Bürger akzeptieren, da aber gleichzeitig die Uhren umgestellt werden, ist den wenigsten dieser Sachverhalt bewusst.

Auch wenn dies nicht die ursprüngliche Intention der Sommerzeit war, kann die derzeitige Situation dennoch genau so beschrieben werden – und das liegt vor allem an unserer biologischen Uhr, an unserer 'Innenzeit'. Alle biologischen Vorgänge in uns werden von einer inneren Tagesuhr mit dem 24- Stunden Rhythmus der Erde abgestimmt.

Diese innere oder biologische Uhr sorgt auch für die Abstimmung der einzelnen Vorgänge im Körper untereinander. Wenn diese Abstimmung nicht optimal verlaufen kann, werden wir mit höherer Wahrscheinlichkeit krank. Diese wichtige biologische Innenzeit kann zwar von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein (sprichwörtlich von den Lerchen bis Eulen), aber auch die individuelle Zeit der biologischen Uhr wird nur von der Sonnenzeit und nicht von der Wanduhr gestellt.

Unsere inneren Uhren sind – im Vergleich zu unseren Vorfahren – sehr spät dran. Dies liegt an unserem Lichtverhalten. Während Menschen früher tagsüber viel draußen waren und nachts vor allem im Dunkeln lebten, sind wir heute fast ausschließlich in Gebäuden (in denen die Lichtintensitäten um den Faktor 1.000 niedriger sind als draußen) und schalten nach Sonnenuntergang künstliches Licht an.

Dadurch haben wir die Signale (Zeitgeber), die unsere biologische Uhr stellen, stark abgeschwächt. Damit sich die inneren Uhren unter diesen Bedingungen überhaupt noch mit dem 24-Stunden Tag synchronisieren können, mussten sie gegenüber dem Licht-Dunkel-Wechsel später werden.

Diejenigen Menschen, deren biologischen Uhren sich unter diesen Umstanden nicht mehr mit 24 Stunden synchronisieren, werden immer häufiger. Die Biologie dieser Menschen läuft mit einem Tagesrhythmus von ca. 25 Stunden durch unsere Zeitstrukturen hindurch.

Obwohl diese Menschen sehen können, verhält sich ihre innere Uhr wir die gänzlich blinder Menschen. Trotz dieser drastischen Veränderungen auf unserer biologischen Zeitebene, haben sich die sozialen Zeiten nur wenig geändert, so dass wir alle zu spät einschlafen (unter der Kontrolle der inneren Uhr) und zu früh aufwachen (unter der Kontrolle des Weckers).

Wir häufen so unter der Arbeitswoche ein großes Schlafdefizit an, das wir an Wochenenden auszugleichen versuchen. Diese Situation haben wir den “sozialen Jetlag” genannt – unser Körper lebt in einer Zeitzone, unsere Verpflichtungen in einer anderen. Die derzeitige Sommerzeit-Regelung verlegt nun unsere sozialen Verpflichtungen einfach noch eine Zeitzone weiter nach Osten, ohne dass wir dabei unsere biologische Zeitzone verlassen.

Wir arbeiten sozusagen den Sommer über in Moskau, leben aber eigentlich in Köln oder München. Die Sommerzeit sattelt also für sieben Monate bei den meisten Menschen eine weitere Stunde auf den bereits bestehenden sozialen Jetlag drauf. Je größer der Unterschied zwischen unserer biologischen und unserer sozialen Zeitzone, je größer der soziale Jetlag, desto größer die Chancen krank zu werden, von metabolischen bis hin zu psychiatrischen Problemen.

Die Kosten, die sich aus diesem Leben gegen die innere Uhr und aus Schlafproblemen ergeben, werden laut einer kürzlich veröffentlichten Studie in Deutschland auf fast 60 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt – fast doppelt so groß wie unser derzeitiger Verteidigungsetat.

Überlegungen für oder gegen die Uhrenumstellung beschäftigen sich verständlicherweise meist mit der Umstellung an sich und suchen Wege, diese zu vermeiden.

Es geht jedoch aus chronobiologischer und medizinischer Sicht gar nicht um die zweimalige Umstellung, sondern allein um den Zeitraum in dem wir gezwungen werden, in einer fremden Zeitzone zu leben (ohne uns – wie bei wirklichen Reisen in andere Zeitzonen – an diese anpassen zu können). Daher ist die “Lösung”, die Umstellungen durch eine ganzjährige Sommerzeit zu vermeiden, besonders kontraproduktiv.

Wir sollten den chronobiologischen Stress nicht verdoppeln sondern schlicht abschaffen. All diese Zusammenhänge lassen sich durch begutachtete wissenschaftliche Literatur untermauern. Solange Politiker diese Zusammenhänge jedoch nicht kennen oder begreifen, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit falsche Vorschläge machen und unterstützen.


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Auch ernsthaftere Gesundheitsprobleme möglich

Einige Menschen bekommen sogar ernsthafte Gesundheitsprobleme: In den ersten drei Tagen nach der Zeitumstellung steigt die Zahl der Herzpatienten im Krankenhaus um 25 Prozent an; auch Hausärzte haben deutlich mehr zu tun. Senioren und Kindern fällt der Wechsel besonders schwer, auch Tiere gewöhnen sich nur langsam an den neuen Rhythmus.

(Quelle: SWR-Rheinland-Pfalz)


Deshalb sollte die mitteleuropäische Zeit (MEZ) in Deutschland dauerhaft beibehalten werden!


Quarks & Co:

(Sendung vom Dienstag, 20.03.2018 – im WDR-Fernsehen)
Verflixte innere Uhr - warum uns Zeitumstellungen stressen


Aus dem Inhalt:
Wer in Schichten arbeitet, wird eher übergewichtig und ist anfälliger für manchen Krebs; nach der Umstellung auf die Sommerzeit erleiden Menschen häufiger Herzinfarkte und wenn Jugendliche zu früh in die Schule müssen, werden die Noten schlechter. Nur drei Beispiele, die zeigen, was passieren kann, wenn der Mensch an seiner inneren Uhr dreht - oder ihren natürlichen Takt missachtet. Lange Zeit unterschätzten Wissenschaftler die Auswirkungen der inneren Zeit. Das ändert sich jetzt.
Quarks sucht den Weg zurück zum individuellen Takt. Was lässt sich im Alltag mit der inneren Uhr in Einklang bringen? Wo liegen Grenzen?


Aktuelle Informationen zur "Sommerzeitregelung":

Am 08. Februar 2018 fand im Europaparlament in Straßburg eine Abstimmung zur aktuellen Regelung der "Sommerzeit" in Europa statt.


384 EU-Abgeordnete haben im EU-Parlament für die Abschaffung der Sommerzeit gestimmt, nur 154 dagegen.


Mit dem Antrag fordert das Parlament die EU-Kommission nun offiziell dazu auf, die Vor- und Nachteile der Zeitumstellung zu prüfen und die Regelung gegebenenfalls abzuschaffen. Die EU-Kommission muss sich nun mit dem Für und Wider der Zeitumstellung auseinandersetzen. Dann soll eine entsprechende gesetzliche Grundlage erarbeitet werden.

EU-Parlament spricht sich gegen die Sommerzeit aus (www.welt.de)


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Pressemitteilung:

Uhren-Umstellung zur so genannten "Sommerzeit" am 25. März 2018.


Pressemitteilung: Uhren-Umstellung zur so genannten Sommerzeit am 25. März 2018

von: Hubertus Hilgers, Arzt und Dr. Peter Spork, Biologe und Wissenschaftsautor

Diese Pressemitteilung können Sie auch HIER im .pdf Format herunterladen.


Wir müssen die Uhren-Umstellung endlich beenden!

Das wäre eine simple und vermutlich äußerst effektive Maßnahme zur Gesundheitsprävention. Durch die so genannte Sommerzeit (MESZ; eigentlich Osteuropäische Zeit, OEZ) steigen vermutlich Gesundheitsrisiken bei vier Fünfteln der Bevölkerung.

So lautet das Fazit aus jahrzehntelanger und jüngst nobelpreisgekrönter chronobiologischer Grundlagenforschung. Es erstaunt, dass sich in den Parlamenten der EU und Deutschlands dennoch keine Mehrheit für eine simple, rundum positive Maßnahme ohne negative Begleiterscheinungen findet: die Uhren-Umstellung endlich abzuschaffen.

(Erlangen / Hamburg , 19.03.2018)

In zahlreichen Ländern der Europäischen Union (EU) haben sich mittlerweile Initiativen zur dauerhaften Beibehaltung der Normalzeit gegründet.

Sehr viele Bürger und Politiker etwa aus Finnland, Polen, Ungarn, Tschechien, den Niederlanden, Belgien und Frankreich, aber natürlich auch aus Deutschland oder Österreich fordern im Rahmen dieser Initiativen eine Abschaffung der Uhren-Umstellung auf die so genannte Sommerzeit. Das EU-Parlament hat nicht zuletzt als Reaktion darauf im Februar 2018 beschlossen, die Folgen einer solchen Änderung eingehend zu prüfen.

Am kommenden Wochenende steht erneut eine Uhren-Umstellung an. Wir werden danach sieben Monate in einer Zeitzone leben (OEZ), die eigentlich für die Ukraine, Weißrussland oder Griechenland gedacht ist. Das bleibt nicht ohne Folgen, weshalb wir (Hubertus Hilgers, Peter Spork) hier die wichtigsten Argumente für eine Rückkehr zur ganzjährigen Normalzeit anführen möchten.

Im Anhang findet sich zudem eine Stellungnahme des renommierten Chronobiologen Till Roenneberg (LMU München), der den aktuellen Stand der Wissenschaft zum Thema zusammenfasst.

Weite Teile der europäischen Bevölkerung leiden mehr oder weniger bewusst unter den negativen Folgen der Uhren-Umstellung. Grob geschätzt handelt es sich dabei um jene vier Fünftel der Menschen, die Werktags einen Wecker zum Aufstehen benötigen. Der einst erhoffte wirtschaftliche Nutzen der MESZ hat sich nicht eingestellt. „Gemessen an der Zielsetzung des Stromsparens ist die Sommerzeit ein Flop“, schreibt die Neue Zürcher Zeitung über die Resultate einer aktuellen Metaanalyse zum Thema (https://www.nzz.ch/wirtschaft/diesommerzeit-ist-ein-flop-ld.1335861).

Es mag wichtigere Probleme auf dieser Welt geben als die erzwungene Verstellung der Uhren. Aber es gibt auch nur wenige Dinge, die leichter zu ändern sind. Je nach Rechtsauffassung müssten die EU-Kommission und/oder die Regierungen der Mitgliedsländer lediglich beschließen, die Uhren nicht mehr zu verstellen. Es gäbe überhaupt keinen weiteren Aufwand.

Nichts müsste zusätzlich geschehen. Diese Maßnahme sparte sogar Geld: Direkt, weil die Verstellungskosten wegfielen. Und indirekt, weil ein großer Teil der Bevölkerung nach den Vorhersagen der chronobiologischen Grundlagenforschung sehr wahrscheinlich gesünder, kreativer, besser gelaunt und ausgeschlafener wäre. (Der Rest der Bevölkerung hätte keinen Schaden.)

Chronischer Schlafmangel und ein Leben im falschen biologischen Rhythmus erhöhen vielen wissenschaftlichen Befunden zufolge das Risiko für fast alle Volkskrankheiten, darunter Depressionen und viele andere psychische Leiden, Stoffwechselkrankheiten wie Adipositas und Typ-2-Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Schlaganfall und Herzinfarkt.

Allein die Kosten, die das Gesundheitssystem durch eine ganzjährige Beibehaltung der Normalzeit (Mitteleuropäische Zeit, MEZ) einsparte, wären logischerweise immens. Till Roenneberg, Professor für Chronobiologie an der Ludwig Maximilians Universität München, schreibt dazu in der beigefügten Stellungnahme zur „Sommerzeit aus Sicht der chronobiologischen Medizin“: „Die Kosten, die sich aus dem Leben gegen die innere Uhr und aus Schlafproblemen ergeben, werden für Deutschland auf fast 60 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.“ Zumindest ein Teil dieser Kosten könnte durch die Abschaffung der MESZ eingespart werden.

Die Zeit wird übrigens am kommenden Wochenende – anders als der üblicherweise verwendete Begriff „Zeitumstellung“ suggeriert – nicht verändert. Alle Menschen stehen wegen der verstellten Uhren eine Stunde früher auf. Am Abend fällt es ihnen aber wegen ihrer vom unveränderten Sonnenstand (da die Zeit ja nicht verändert wurde) justierten biologischen (inneren) Uhren schwer, eine Stunde früher einzuschlafen. Entweder gehen sie bezogen auf die Zeit auf ihren Uhren später zu Bett als während der Normalzeit oder sie liegen länger wach, bevor sie einschlafen – oder sogar beides. In jedem Fall ist die Folge, dass sie weniger Schlaf
bekommen als wenn die Uhren nicht verstellt worden wären. Und das gilt übrigens nicht nur für die Tage nach der Uhren-Umstellung sondern letztlich für die folgenden sieben Monate bis zur Rückkehr in die Normalzeit. So lauten einige der logischen Konsequenzen aus den Erkenntnissen der Chronobiologie – jener Disziplin, deren Vertreter sicher nicht ohne Grund im Jahr 2017 den Medizin-Nobelpreis erhalten haben (PM des Nobelkomitees: https://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2017/press.html).

Chronobiologen fanden heraus, dass unsere inneren Uhren sich darauf einstellen, wann die Sonne ungefähr am Höchststand steht. (Tageslicht am Morgen stellt die inneren Uhren vor, Tageslicht am Abend stellt sie zurück.) Daran ändert sich durch die Uhren-Umstellung nichts.

Was sich ändert, ist, wie bereits erwähnt, dass wir in der MESZ eine Stunde früher aufstehen und abends nur selten eine Stunde früher einschlafen können. Genau das nennt man einen sozialen Jetlag, und der ist schlafraubend und ungesund (siehe dazu die Stellungnahme von Till Roenneberg oder auch sein Buch „Wie wir ticken“, Dumont 2012). Letztlich verstärkt die Uhren-Umstellung im März also die ohnehin schon negativen Folgen des schlafgefährdenden Lebens in der modernen 24/7-Gesellschaft wie Schicht- und Nachtarbeit, zu frühe und unflexible Schul- und Arbeitszeiten sowie mangelhafte Pausen- und Freizeitkultur.

Hinzu kommen die direkten Folgen der Uhren-Umstellung: In den Tagen danach häufen sich Verkehrsunfälle, Arztbesuche und Herzinfarkte. Vermutlich ist im März hauptsächlich der Schlafmangel wegen der verkürzten Nacht daran schuld, denn es gibt Hinweise, dass die Umstellung im Oktober sogar positive Effekte hat, etwa eine Verringerung der Herzinfarktrate in den kommenden Tagen.

Von Befürwortern der Uhren-Umstellung wird häufig argumentiert, wir würden uns ja auch auf Fernreisen sehr schnell an eine Umstellung um eine Stunde oder mehr anpassen. Doch dabei handelt es sich tatsächlich um eine biologisch gewollte und äußerst sinnvolle Anpassung unserer inneren Uhren an die äußere Zeit, vorgegeben durch den Lauf der Sonne. Genau der Umstand, dass uns das so gut gelingt, belegt deshalb das Gegenteil von dem, was er belegen soll: Er zeigt, wie schwer es vielen Menschen fallen muss, sich an die so genannte Sommerzeit zu gewöhnen. Diese ist nämlich eine Verstellung der Uhren, ohne dass die Sonne Ihren Lauf verändert. Die jetzige Situation entspricht letztlich einer Flugreise in eine andere Zeitzone, bei der man leider vergessen hat, die Uhr umzustellen und deshalb permanent zur falschen Zeit aufsteht und zu Bett geht.

Ein zweites Argument vieler Befürworter der MESZ lautet, wir hätten wegen des früheren Aufstehens abends eine Stunde mehr Freizeit, die wir zum Teil am Tageslicht verbringen, was wiederum gesund sei. Leider geht diese Rechnung wie bereits beschrieben zulasten unseres Schlafs. (Noch viel schlimmer als der jetzige Zustand wäre deshalb auch die ganzjährige Einführung der MESZ, wie sie derzeit wieder von manchen Politikern gefordert wird.) Einzig sinnvoll scheint hingegen, die Uhren in der Normalzeit, MEZ, zu belassen, und vermehrt während Pausen am Vormittag oder vor der Arbeit bzw. der Schule ans Tageslicht zu gehen.

Denn Licht am Morgen und Vormittag hat biologisch gesehen die gegenteilige Wirkung als Licht am Nachmittag und Abend. „Die Sommerzeit sattelt für sieben Monate bei den meisten Menschen eine weitere Stunde auf den bereits bestehenden sozialen Jetlag drauf“, weiß Chronobiologe Roenneberg.

„Untermauert“ sei diese Aussage durch „begutachtete wissenschaftliche Literatur“. Dass diese Tatsachen noch keine politischen Folgen hätten, lasse vermuten, dass „Politiker diese Zusammenhänge nicht kennen oder nicht begreifen“.


Zu den Autoren

Hubertus Hilgers: Arzt in Erlangen und Initiator der bislang größten Gesundheitspetition MOMO zur „Beibehaltung der Normalzeit und Abschaffung der Sommer-Zeit-Verordnung“ (bis heute mehr als 94.500 Unterzeichner; www.sommerzeit-abschaffen.de)

Dr. rer. nat. Peter Spork: Wissenschaftsjournalist und Autor mehrerer Bücher über
Schlafforschung und Chronobiologie („Wake up! Aufbruch in eine ausgeschlafene
Gesellschaft“, Hanser oder dtv; www.peter-spork.de)


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Im Bundestag hat eine neue Legislaturperiode begonnen. Das bedeutet, dass zu einem bestimmten Thema neue Petitionen eingereicht werden können.


Hr. Dr. Spork und Hr. Dr. Hilgers haben vom Petitionsausschuss des Bundestages die Nachricht erhalten, dass das Schreiben (unter der Initiative von Hubertus Hilgers, Arzt in Erlangen) als "neue Petition" gewertet wird. Es wurde darauf hingewiesen, dass alle Schreiben und E-Mails diesbezüglich die beim Petitionsausschuss eingehen dazu gezählt werden.


▶️▶️▶️ Das bedeutet: AKTIV WERDEN!
Dazu kann jeder Einzelne an den Petitonsausschuss schreiben‼️

Dieser ist zu erreichen unter: post.pet@bundestag.de


Wichtig: Beim Anschreiben an den Petitionsausschuß bitte Ihre Postadresse (Name, Strasse, Ort) angeben, damit Ihre Eingabe als "eigenständige Petition" gewertet werden kann!

Danken Sie den Abgeordneten dafür, dass diese sich für die Beibehaltung der NORMALZEIT (MEZ) für Deutschland einsetzen.

 

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Zeitumstellung - Warum eigentlich?

Welche Gründe gibt es für eine Umstellung unserer Uhren?

Die Zeitumstellung war anfangs kaum mehr als ein gemeiner Scherz von Benjamin Franklin. Er schrieb im Mai 1784 einen nicht ganz ernst gemeinten Leserbrief an das "Journal de Paris". Wer früher aufsteht, verbrauche nachts weniger Kerzen. Dadurch ließen sich laut seiner Kalkulation 64 Millionen Pfund an teurem Wachs einsparen. Doch Franklins Scherz entwickelte ein Eigenleben.
1916 wurde seine Idee dann mitten im Ersten Weltkrieg ausgerechnet von Deutschland umgesetzt.

 

Dort erhoffte man sich die von Benjamin Franklin vorhergesagten Energieeinsparungen.

Die Idee war nicht schlecht - wenn es geklappt hätte! Heute weiß man, dass Klimaanlagen und andere technische Geräte, durch die frühere und dadurch verlängerte Nutzung, bedingt durch die Umstellung der Uhren, längere Laufzeiten haben und dadurch sogar mehr Energie verbrauchen als zuvor. Diese Entwicklung ist in den kommenden Jahren, bedingt durch den Klimawandel, noch in zunehmendem Maß zu erwarten.

 

Was bewirkt die Umstellung der Uhren ?

Von März bis Oktober stehen wir dadurch einfach nur jeden Tag eine Stunde früher auf und gehen eine Stunde früher schlafen. Es ist durch die Umstellung der Uhren also nicht länger hell - wie manche Leute glauben. Länger hell ist es im Sommer nur durch die Stellung der Erdachse zur Sonne. Dafür brauchen wir aber keine Uhren umstellen. Es ist also ganz automatisch länger hell.


Wenn man sogar mehr Energie verbraucht, warum macht man es dann noch?  

Nicht nur der höhere Energieverbrauch ist ein Problem! Zudem haben sich noch viel schwerwiegendere Auswirkungen durch die Umstellung der Uhren herausgestellt. Mediziner gehen von einem erhöhten Herzinfarktrisiko und einer Begünstigung von Depressionserkrankungen aus.

 

Hier wird die Einstellung der Uhren im Vergleich zur geographischen Zeitzone verdeutlicht.

Bildquelle (Vorlage): By Ssolbergj [GFDL, CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons | Nachbearbeitung: Rueff


Informationen zur Einteilung der Zeitzonen

Bildquelle (Vorlage): By Ssolbergj [GFDL, CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons | Nachbearbeitung: Rueff


→ Der Bio-Rhythmus und das Licht

Interview mit dem Chronobiologen Prof. Dr. Till Roenneberg (LMU München) (SWR 2)


→ Alles eine Stunde früher !

Interview mit dem Wissenschaftsjournalisten Dr. Peter Spork (SWR 2)


Warum die "Sommerzeit" besonders für Schüler ein Problem darstellt?

Hier das Video mit den Erkenntnissen der Schlafforscher:

(Video von Michael Wieden, Initiator des Projektes ChronoCity in Bad Kissingen)

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Unsere normale Zeit heißt "Mitteleuropäische Zeit" (MEZ) und entspricht in weiten Teilen Deutschlands der mittleren Sonnenzeit (vgl. "Die Sommerzeit auf der Karte" und "Kein Sommer ohne "Sommerzeit"? - Die Einteilung der Zeitzonen". Bei der Einführung der sog. "Sommerzeit" stand der Gedanke ans Energie sparen im Vordergrund, das ist mittlerweile hinfällig. Im Gegenteil, es kostet sogar durch die Einführung neuer Beleuchtungstechnologien mehr Energie und belastet einer Vielzahl von Untersuchungen zufolge unsere Gesundheit.


Aktuelle mitteleuropäische Zeit (MEZ):

(powered by Time.is)

So kann man die MEZ über das ganze Jahr im Blick behalten:

Produktplatzierung






In der Nacht vom 24. auf den 25. März 2018 haben die Schildbürger wieder zugeschlagen. Die Uhren wurden in Europa auf die osteuropäische Zeit (OEZ) vorgestellt. Nach dem kürzesten Tag des Jahres folgt der gefährlichste Montag des Jahres mit etwa 8% mehr Verkehrsunfällen in Deutschland als an einem gewöhnlichen Montag.

Bis zur Umstellung auf unsere geographisch angepasste mitteleuropäische Normalzeit (MEZ) müssen wir jetzt wieder warten:

Tage


Übrigens ...

Energie sparen durch eine Umstellung der Uhren funktioniert leider nicht. Nur weil man an einem Zeiger dreht, das wäre zu einfach! Deutlich wird dies durch einen einfachen Vergleich: Warum verstellen wir nicht einfach die Thermometer während der Wintermonate um 3°C? Ein Messwert von 18°C „Sommertemperatur“ (also der tatsächlichen Temperatur) würde dann genau 21°C „Wintertemperatur“ entsprechen. Es wäre zwar nicht wirklich wärmer dadurch, aber man könnte dann zumindest einen angenehm wirkenden Wert auf dem Thermometer ablesen.

Ob dadurch aber die Heizkosten sinken würden? ;-)

(Hinweis: Dieser Vorschlag ist NICHT erst gemeint! Es wäre leider nicht das erste Mal, dass ein solcher scherzhaft gemeinter Vorschlag in die Tat umgesetzt würde. [vgl. Benjamin Franklin])

Weiterführende Informationen und Berichte zum Thema:

Angesichts solcher Erkenntnisse ist eine Abschaffung der Sommerzeitverordnung wohl nur noch eine Frage der Zeit! Andere Länder wie Russland haben bereits reagiert und sind zur Normalzeit zurückgekehrt.

Warum also noch länger warten? 

 

Bürgerinitiativen:

 

Weiterführende Informationen zu den gesundheitlichen Folgen der Sommerzeitverordnung sind auf der folgenden Internetseite zu finden: http://www.zeitumstellung-abschaffen.de/

 

Petition zur Sommerzeitverordnung (Bis zum 22. Nov. 2013 haben 55718 Unterstützer die Petition gezeichnet. Weitere Informationen werden auf der Petitionsplattform veröffentlicht.)
Bitte auch die Petition auf openpetition.de von Dr. Hilgers für das EU-Parlament beachten!


Kommentare

Eine ausführliche Betrachtung zur Thematik wurde von Philip Turecek aus Erlangen mit zusätzlichen Informationen ausgearbeitet. Diese ist hier nachzulesen.


In diesem Bericht geht es um die sogenannte Sommerzeit – im Folgenden auch „Sommerzeit“ genannt, um dies von der eigentlichen Jahreszeit abzugrenzen. Ich möchte Ihnen Argumente für die Abschaffung dieser allein schon mathematisch unsinnigen und zudem (oder gerade deswegen) gesundheitsschädigenden Umstellung nennen. Genauer noch weise ich theoretisch sowie anhand realer Beispiele nach, dass es selbstverständlich, ideal und daher erstrebenswert ist, die Uhrzeit
12:00 Uhr möglichst mit dem Sonnenhöchststand, das heißt dem wahren Mittag (= Tagesmitte), in Einklang zu bringen, und nicht 13:00 oder gar
14:35 Uhr wie im Extremfall West-Spanien.

Ich beginne mit den theoretischen, das heißt mathematisch-astronomischen Grundlagen. Hat man diese nämlich einmal begriffen, beantwortet sich alles Weitere praktisch von selbst. Daher ist es wichtig, diese zu verstehen.

Im Verlaufe eines Tages, das heißt im Zeitraum zwischen zwei aufeinanderfolgenden Mitternächten, stellt der Mittag bekanntlich die zeitliche und als Sonnenhöchststand zugleich auch optische Mitte (zwischen Ost und West) dar. Und diese spiegelt sich idealerweise in der Zahl 12 als die Mitte von 0 und 24 wider, sofern man die Dauer eines Tages in 24 Abschnitte (Stunden) unterteilt, wie es seit Jahrhunderten praktiziert wird. Daher ist es natürlich und selbstverständlich, sich unter der Uhrzeit 12 Uhr den Sonnenhöchststand und damit die wahre Tagesmitte vorzustellen, sich daran zu orientieren und all seine Tagesaktivitäten danach auszurichten.
Diese selbstverständliche Auffassung von Tageszeit in Verbindung mit konkreten Zahlen, sprich den Uhrzeiten, kennen wir alle von klein auf, das ist seit Jahrhunderten in uns Menschen fast schon wie ein Naturgesetz fest eingespeichert, obwohl es sich eigentlich nur um Zahlen handelt. Ginge die Sonne aber beispielsweise um 11 Uhr auf und um 23 Uhr unter, so hielten wir das für falsch. Wir wären bestrebt, die Uhren in unserem Sinne richtig zu stellen. In unseren Köpfen ist der Mittag also untrennbar an 12 Uhr gekoppelt.
Diese ideale Uhrzeit, die sich nach der Sonne richtet, hat auch einen
Namen: Sonnenzeit. Jedoch ist sie aufgrund der heutigen Geschäftswelt nicht mehr praktikabel, denn sonst hätte jeder Ort praktisch eine andere Uhrzeit. Beispielsweise würden die Uhren in Hamburg und die in Köln um
12 Minuten voneinander abweichen. Deshalb sind irgendwann die Zeitzonen mit ihren jeweiligen Zonenzeiten als nützlicher und durchdachter Kompromiss zwischen Idealität und Praktikabilität entstanden, sofern man sie nur richtig benutzt. Aber das tun viele Länder nicht oder zumindest nicht durchgehend, darunter leider (noch) ausnahmslos sämtliche EU-Länder durch die Verwendung der jeweiligen „Sommerzeiten“.
Es geht also darum, diesen Kompromiss richtig herzustellen beziehungsweise aufrechtzuerhalten.

Für den Sonnenzeitunterschied zwischen zwei Orten auf der Erde ist die Differenz der zugehörigen Längengrade maßgebend, genauer gesagt besteht eine Proportionalität von 360° / 24 h = 15° / h, das heißt, die Erde dreht sich pro Stunde um 15 Grad. Die koordinierte Weltzeit (UTC), welche mit der (mittleren) Sonnenzeit auf dem Nullmeridian (durch
London) übereinstimmt, fungiert weltweit als Bezugszeit für alle Zeitzonen, welche sich theoretisch als jeweilige Differenzbereiche zum Nullmeridian ergeben. Wie groß diese sind (oder sein sollten), hängt von der gewünschten Feinheit der Unterteilung der Erde in Zeitzonen ab. Je feiner die Unterteilung, das heißt je mehr Zeitzonen, desto kleiner eine einzelne Zeitzone, was ab einer gewissen Feinheit für die Geschäftswelt wie bereits erwähnt nicht mehr praktikabel genug ist. Entsprechend umgekehrt gilt dies auch, allerdings ist die Praktikabilität irgendwann ausgeschöpft und schlägt bei weiterer Vergröberung schnell ins Gegenteil um, weil an den Randgebieten einer zu großen Zeitzone die Abweichung zwischen Zonenzeit und Sonnenzeit zu groß wäre und damit der besagten inneren Auffassung/Kopplung widerstreben würde. Daher darf die Anzahl der Zeitzonen nicht zu gering, aber auch nicht zu hoch sein.
Als geeignet herausgestellt haben sich Zeitzonen mit um ganze Stunden voneinander abweichenden Zonenzeiten, folglich sollte die an einem betrachteten Ort verwendete Uhrzeit von der dortigen (mittleren) Sonnenzeit optimalerweise um nicht mehr als 30 Minuten abweichen. Eine Zonenzeit der Form UTC+x, sprich um x Stunden gegenüber der UTC versetzt, ist also genau für den (15x)-ten Meridian ideal, das heißt mit der dortigen (mittleren) Sonnenzeit übereinstimmend. Somit ist die UTC+1 ideal für den 15. östlichen Meridian (beispielsweise Görlitz) und die
UTC+2 ideal für den 30. (beispielsweise Kiew).

Nun hat Deutschland eine West-Ost-Ausdehnung vom rund 6. bis zum 15.
östlichen Meridian. Folglich wäre wegen einer durchschnittlichen Abweichung gegenüber der UTC von (6° + 15°)/2 / (15° / h) = 10,5° / (15° / h) = 0,7 h = 42 min eine Zeit UTC+00:40 oder UTC+00:45 für Deutschland sogar passender als die aktuell verwendete Normalzeit UTC+01:00 (=
UTC+1). Möchte man überall in Deutschland dieselbe Uhrzeit haben, so
wäre UTC+00:45 (nahezu) optimal. Anders ausgedrückt weicht jetzt schon die (mittlere) Sonnenzeit im äußersten Westen (etwa in Aachen bei 6°) mehr von der gesetzlich vorgeschriebenen Normalzeit ab – das heißt um mehr als die besagten 30 Minuten –, als wenn diese Regionen die britische Normalzeit UTC+0 verwenden würden, denn 6° ist natürlich weiter von 15° entfernt als von 0°. In Minuten ausgedrückt sind dies 36 versus 24 Minuten.
Für Österreich ergibt sich mit einer analogen Rechnung etwa UTC+00:55, das heißt, die Normalzeit ist für Österreich bereits fast optimal.

Jetzt kommt die „Sommerzeit“ ins Spiel, das heißt UTC+2 für Deutschland und Österreich. Wir haben bereits festgestellt, dass diese Zeit für Kiew ideal ist. Was bewirkt die Umstellung? Sie bewirkt einen zusätzlichen und großen Fehler von 60 Minuten, so dass sich in Deutschland mit insgesamt 75 statt bisher 15 Minuten eine fünfmal so hohe durchschnittliche Abweichung von der optimalen Zeit UTC+00:45 ergibt. In Österreich ist sie sogar 13-mal so hoch.

Man erkennt nun klar und deutlich, dass die „Sommerzeit“ wahrlich nur Unsinn sein kann. Sinnvoll ist sie für Kiew, nicht jedoch für Berlin!
Daher ist die aktuell verwendete Normalzeit der „Sommerzeit“ unbedingt vorzuziehen! Die Uhrzeitumstellung ist abzuschaffen!

Zusätzlich zu meiner Erläuterung empfehle ich die des Physiklehrers Dr.
Andreas Rueff, der die Situation mithilfe von Graphiken gehaltvoll und verständlich dargestellt hat:
https://www.mathe-physik-technik.de/links/die-sommerzeit-auf-der-karte/

[Zusatzanmerkung: Es gibt weltweit bereits 14 Zeitzonen, die nicht um ganze Stunden von der UTC abweichen, davon zehn Stück 30-minütig und vier sogar 45-minütig (https://www.timeanddate.com/time/time-zones-interesting.html). Rein aus nationaler Sicht spräche also nichts gegen eine Zeit UTC+00:45 für Deutschland. Österreich könnte nach wie vor die (nahezu) optimale
UTC+01:00 benutzen, also um 15 Minuten gegenüber Deutschland versetzt.
Sollte dies nicht praktikabel genug sein, so ist die derzeit verwendete
UTC+1 daher die beste Wahl (für beide Länder), wie es durchgehend bis
1979 der Fall gewesen ist.]

Nach diesem theoretischen Teil können wir nun zwei verrückte und unsinnige Phänomene festhalten:

1. Die teilweise falsche grundsätzliche Einteilung in Zeitzonen (Benelux-Länder, Frankreich, Spanien) 2. Die Verwendung der „Sommerzeit“

Was passiert, wenn man diese „Gifte“ zusammenmischt, kann man gut im äußersten Westen Spaniens beobachten. Nennenswert ist dabei die Stadt Santiago de Compostela. Spanien verwendet – leider – immer dieselbe Uhrzeit wie Deutschland, womit sieben Monate lang pro Jahr beide Punkte erfüllt sind. Grundsätzlich laufen die Uhren in der besagten Stadt durchschnittlich nämlich schon um rund 1:35 h falsch (Punkt 1). Kommt dann die „Sommerzeit“ hinzu (Punkt 2), werden daraus 2:35 h. Wenn also
12:00 auf der Uhr steht, ist erst in Kiew Mittag. Die Erde muss sich aber noch 2:35 h lang drehen, bis in Santiago Mittag ist. Dies hat schwerwiegende Auswirkungen, zum Beispiel:
– Ein Arbeiter, der morgens um 6:00 Uhr mit seiner Arbeit beginnt, wird um einige Stunden Nachtzuschlag betrogen, Tag für Tag. Er muss in Santiago effektiv schon um 3:25 Uhr anfangen. Im Vergleich zu diesem Extrembeispiel sind es in Deutschland zwar „nur“ 1 bis etwa 1½ Stunden Betrug, aber Betrug bleibt Betrug! Bei 210-220 Arbeitstagen pro Jahr sind das bereits zwischen 125 und 190 Stunden während der sieben Monate andauernden „Sommerzeit“. Das muss aufhören!
– Mittags findet die Siesta statt. Als Tourist weiß man, dass man zu dieser Tageszeit nicht in die pralle Sonne gehen soll. Stellen wir uns diese eigentlich banale Situation einmal genauer vor: Man schaut in Santiago auf die Uhr, die 12:00 anzeigt, meidet daraufhin bis etwa 14 Uhr große Anstrengungen, um danach wieder aktiver zu sein. Dabei hat man effektiv von 9:25 bis 11:25 Uhr eine Pause eingelegt und ist gerade während der Zeit, wo Ruhe angebracht wäre, aktiv. Fatal!

Jedoch gibt es auch ein Positivbeispiel zu nennen, nämlich die Stadt Ürümqi im Westen Chinas, Hauptstadt der dort lebenden Uiguren. Warum verwenden diese Menschen zusätzlich eine inoffizielle Zeit, die von der offiziellen (also auch für die Uiguren gültigen) Pekinger Zeit um zwei Stunden abweicht, obwohl sie einfach diejenige von Peking benutzen könnten? „Überraschenderweise“ weicht diese inoffizielle Zeit von der
(mittleren) Sonnenzeit im Bereich dieser Stadt um nur etwa 10 Minuten ab.

Ein weiteres Positivbeispiel ist Russland. Ab 2011 hat man dort die dauerhafte „Sommerzeit“ – genauer gesagt „Sommerzeiten“ aufgrund der großen geographischen Ausdehnung – verwendet, jedoch recht schnell aufgrund lautstarker Proteste aus der Bevölkerung erkannt, dass dies unsinnig und widernatürlich ist (https://www.zeitumstellung-abschaffen.de/russland-fuehrt-winterzeit-ein.html).
Michail Serdjuk, Abgeordneter der Staatsduma von der Partei „Gerechtes
Russland“:
„Der gesunde Verstand hat gewonnen. Alle Fraktionen der Staatsduma, einschließlich „Geeintes Russland“, haben unseren Vorschlägen zugestimmt. Endlich können wir nun die Zeit mit den astronomischen Werten in Einklang bringen. Die Leute und ihre Kinder werden sich nicht mehr quälen müssen, sondern auf ihre übliche Art und Weise leben, mit Hinblick auf alle Besonderheiten des großen russischen Territoriums.“ Was Serdjuk mit „den astronomischen Werten in Einklang bringen“ meint, ist haargenau die in uns Menschen fest verankerte Kopplung, die ich anfangs erläutert habe. Hätten/haben Sie tatsächlich dies und den Aufbau sowie den Sinn der Zeitzonen bereits damals in einer solch ausführlichen Version, wie ich es erklärt habe, gewusst, hätten/haben tatsächlich auch Sie womöglich sofort geahnt, dass dieses Vorhaben auf lange Sicht nicht gutgehen kann.
2014 war die letzte Rückstellung und seitdem verwendet Russland die dauerhafte Normalzeit (genauer gesagt Normalzeiten), auch wenn die Einteilung mancherorts nicht richtig ist (Punkt 1 oben). Im Großen und Ganzen ist das aber eine enorme Verbesserung und sollte gerade denjenigen zu denken geben, die an sich gegen eine regelmäßige Zeitumstellung sind, jedoch dann die „Sommerzeit“ dauerhaft beibehalten wollen. Wir sollten von Russland lernen, das heißt nicht erst denselben Fehler machen, sondern gleich zur dauerhaften Normalzeit übergehen!

Wie man anhand dieser Beispiele sieht, ist das natürliche Bestreben,
12:00 Uhr auf den Sonnenhöchststand zu legen, real vorhanden. Niemand käme auf Idee, beispielsweise die Uhrzeit 17:00, die zunächst nur eine Zahl ist, mit dem tatsächlichen Mittag zu synchronisieren, auch wenn dies technisch natürlich möglich wäre. Und wenn doch, würde so jemand zurecht für verrückt erklärt und sein Vorschlag abgelehnt, schließlich wollte er eine stark verstellte/verrückte Uhrzeit von der idealen Sonnenzeit.
Das Gefährliche und Hinterhältige an der „Sommerzeit“ ist nun aber, dass es sich um lediglich eine Stunde handelt und daher nicht sonderlich auffällt. Der Körper jedoch merkt das und reagiert mit Schlafmangel, Stress und weiteren gesundheitsschädlichen Folgen, weil die äußere Uhr der inneren kontinuierlich um (ungefähr) eine oder in Aachen sogar etwas mehr als 1½ Stunden vorauseilt.
Vor ein paar Monaten ist für die Erforschung ebenjener inneren Uhr, welche sich nach der Sonne ausrichtet, der Nobelpreis ausgezeichnet worden. Besonders in den ersten Wochen nach der Umstellung auf die „Sommerzeit“ merken Sie womöglich, dass Ihr Biorhythmus verrücktspielt.
Jetzt kennen Sie den Grund. Dazu empfehle ich die folgenden lesenswerten
Artikel:
https://www.zeitumstellung-abschaffen.de/sommerzeit-negative-wirkung.html
https://www.wissenschaft.de/gesundheit-medizin/weg-mit-der-sommerzeit-2/

Es sollte Ihnen jetzt klargeworden sein, dass hinter der „Sommerzeit“ nichts anderes steckt als der gesetzlich verordnete Zwang, seinen kompletten Alltag willkürlich um eine Stunde nach vorne verlagern zu müssen, woraus direkt sowie indirekt schwerwiegende Probleme resultieren, die man oft unterschätzt oder gar nicht erst mit der „Sommerzeit“ in Verbindung bringt. Für eine kleine Kostprobe verweise ich auf einen Artikel des Arztes Hubertus Hilgers:
https://www.zeitumstellung-abschaffen.de/gravierende-fehlentscheidungen-schlafmangel.html

Können Sie mir einen Grund dafür nennen, warum es besser sein sollte, in Mitteleuropa überhaupt die Osteuropäische Zeit (OEZ) UTC+2 und nicht die dafür vorgesehene Mitteleuropäische Zeit (MEZ) UTC+1, das heißt unsere Normalzeit, zu verwenden? Einige von Ihnen mögen sich vielleicht denken:
„Ich mag die Umstellung Ende März, denn dann ist es im Sommer länger hell.“ Das Argument, am Abend wäre es länger hell, ist keines, denn in Wahrheit übt man per Zwang alle Aktivitäten effektiv eine Stunde früher als normal aus. Dadurch entsteht lediglich der Eindruck, es wäre abends länger hell. Dass dieses „Argument“ nicht zählen kann – neben der Tatsache, dass es das einzige ist, das die „Sommerzeit“-Befürworter überhaupt noch vorzuweisen haben –, lässt sich daran erkennen, dass man die Normalzeit genauso gut um fünf Stunden verstellen könnte, denn dann wäre es sogar „noch länger“ hell. Es ist aber – konsistent mit dieser Sprechweise – morgens in gleichem Maße auch länger dunkel, was besonders für Bäcker, Bauern (inklusive Tieren) und Schulkinder ungesund ist, weil sie Ende März zur Umstellung plötzlich wieder auf den morgendlichen Helligkeitsstand von Februar versetzt werden. Dies stellt einen herben Rückschlag im Prozess vom Winter zum Frühling dar, denn man ist froh und genießt es, dass der Winter sich dem Ende zuneigt und die Sonne nach und nach immer früher aufgeht. Die Zeitumstellung im März ist somit nichts anderes als ein Bruch mit der Natur. Kein vernünftiger Mensch kann dies befürworten!

Chaos bei der Bahn: Die Züge stehen bei der Rückstellung im Oktober eine Stunde lang still. Welch Energieverschwendung und Irrsinn!
http://www.zeitumstellung.de/bahnbetrieb.html

Und für die Biertrinker unter Ihnen: Zumindest in Bayern, vielleicht auch woanders, ist es grundsätzlich nicht möglich, ab 23 Uhr noch im Biergarten oder allgemein im Außenbereich von Lokalen zu sitzen. Das „Herrliche“ dabei ist, dass man effektiv nur bis 22 und nicht bis 23 Uhr dort sitzen darf. Wird man aufgefordert, den Bereich zu verlassen, dauert es nämlich nicht etwa eine, sondern noch zwei Stunden, bis die
(wahre) Mitte der Nacht eintritt. Anders ausgedrückt: 23 Uhr (UTC+2) =
22 Uhr (UTC+1). Durch die Verwendung der „Sommerzeit“ darf man also
weniger(!) lang draußen sitzen, als wenn man die Normalzeit dauerhaft beibehalten würde.

Wenn man Ihnen sagen würde, Sie müssten von einem Tag auf den anderen für die folgenden sieben Monate Ihren Tagesablauf um eine Stunde nach vorne verlagern, und das Jahr für Jahr, würden Sie mich womöglich für verrückt erklären. Aber indem wir die „Sommerzeit“ verwenden, passiert genau das. Die Kinder müssen effektiv um 7 Uhr in der Schule sein, sieben Monate, jedes Jahr! Es ist falsch, ihnen das anzutun. Es ist falsch, diesen ganzen Irrsinn uns allen anzutun! Oder ist Ihnen Ihre Gesundheit und die Ihrer (geliebten) Mitmenschen nicht wichtig? Lassen Sie es uns beenden!

(von Philip Turecek (Erlangen))


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Literatur